
Kaufen kann jeder
Wir hatten ein Wohnmobil – ein tolles sogar. Es war chic, modern, geräumig und es hat uns zuverlässig die schönsten Ecken Europas gezeigt. Es war unser rollendes Zuhause.
Doch da war dieses Gefühl, erst unterbewusst, dann sich zunehmend in den Vordergrund drängend. Das Gefühl, ein ganz individuell gestaltetes „mobiles Zuhause“ besitzen zu wollen. Es wäre nicht das erste verrückte Abenteuer, dem wir uns annehmen würden, aber schon ungewöhnlich aufwendig für uns. Egal, es war geboren: das Projekt Einraumwohnung.
Doch wer sind wir eigentlich? Wir sind vier Nordlichter: Wiebke, Knut und unsere Kinder Hannes und Rike. Allesamt campingverrückt, vom Reisevirus infiziert und manchmal auch ein klein wenig seltsam.
» Start frei, ein LKW muss her! «
Unser Wohnmobil gaben wir doch schweren Herzens kurz vor den Sommerferien 2015 an eine liebevolle Familie ab. Sofort fingen wir an, nach einem geeigneten LKW zu suchen. Ja – wir sind schon älter, so alt zumindest, dass wir mit unserem Klasse 3 Führerschein bis maximal 7,49 t durch die Gegend schieben dürfen. Die Zielgröße stand also fest und sollte außerdem noch folgende Anforderungen erfüllen: „er“ sollte keinesfalls zu alt sein, am besten gut isoliert, nicht unbedingt nach totem Tier riechen und nach Möglichkeit schon mit einer Seitentür ausgestattet sein.

Mit Schmetterlingen im Bauch und Hummeln im Hintern fuhren wir wieder zurück nach Hause. Der Sommer war vorbei, die Tage wurden kürzer, und so passte die nächste Planungsphase, die wir wegen vieler Messe-Erkenntnisse einschoben, gut zur Jahreszeit. Dutzende Ideen wurden verworfen, wieder hervorgeholt, neue Ideen angedacht oder auch wieder für unbrauchbar befunden. Mittlerweile waren fast 3 Monate vergangen und immer noch kein „echter“ Handschlag am LKW getan. Wir ernteten die ersten Kopfschüttler: „Bestimmt wieder so eine Flause von Wiebke und Knut … das wird eh‘ nix!“
Doch auch den größten Skeptikern entging nicht die sich steigernde Frequenz der Anlieferung pro Woche: mehrere Speditionen lieferten innerhalb von drei Wochen fast alles an, was ein Wohnmobil zu einer rollenden Wohnung macht. Interieur, Baumaterialien, Werkzeuge, Elektronikbauteile, etc. um nur Einige zu nennen.

Kommen wir zu einem Zwischenstand März 2016: Innenwände aufbereitet, Einteilung und Bett-Podest eingebaut, Heizung zu 80% drin: Die ersten Möbel mussten her. Dabei hatten wir zwei Anlaufstellen, die wir sehr oft anfuhren: Zum einen ein schwedisches Möbelhaus, das Möbel grundsätzlich demontiert verkauft. Für uns wegen wichtigen Modifikationen ein großer Vorteil. Des Weiteren unser nächstgelegener Baumarkt, in dem es Leimholzprofile und dünne Multiplexplatten gibt, die uns eine filigrane, relativ leichte aber stabile Konstruktionsgrundlage für die Sitzmöbel ermöglichten.
Über 150 Meter Kabel sind bereits verlegt und warten auf den fachmännischen Anschluss an Batterien und Steuerungsgeräte. Die ersten Fenster sind eingebaut, zwei Sitze im Innenraum installiert und die Küche vermittelt den Eindruck, dass wir demnächst Ravioli warm machen können.
» Kein Projekt ohne Hemmnisse «
Eigentlich lief ja bis dato alles ziemlich glatt. Es gab aber auch den ein oder anderen Moment, in dem es einen wirklich böse einholt. Das bisher schlimmste Erlebnis war, dass die GFK-Innenwände an mehren Stellen Osmosebeschädigungen aufwiesen. Ein Szenario, dass eher aus dem Bootsbau bekannt ist und alleine sieben Tage schleifen, zzgl. eine Woche spachteln, grundieren und lackieren bedeutete. Auch böse war am Morgen nach dem fachgerechten Verlegen von so genannten Designer-Dielen der Anblick eines sich komplett abgelösten Fußbodens.







